„Ein Solardach passt zum Konzept der Stadt Erfurt.“
Dienstag, 21. April 2009 um 00:00 Uhr
Dr. Hubert Aulich bewertet eine Beteiligung der Solarindustrie am Stadionumbau als positiv

Dr. Hubert Aulich ist Vorsitzender des Vereins SolarInput e. V. sowie Vorstand und Koordinator des Spitzenclusters Solarvalley Mitteldeutschland. SolarInput e. V.  ist ein  Zusammenschluss von Thüringer Solarunternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Solarinitiativen, Gewerbetreibenden, Kommunen und anderer öffentlicher Einrichtungen aus Thüringen. Das Spitzencluster Solarvalley hat sich zum Ziel gesetzt, die Industriepartner und Forschungseinrichtungen der Photovoltaik aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu vereinen.

Wie würden Sie den aktuellen Stand und das künftige Potenzial der Solarenergie beschreiben?
Deutschland ist der weltweit stärkste Markt. In den vergangenen Jahren gab es hier Wachstumsraten von rund 50 Prozent. Zwar wird die Wirtschaftskrise auch an der Solarindustrie nicht vorbeigehen, aber langfristig gesehen, sind wir sehr optimistisch.

Woher kommt ihr Optimismus?
Die Bedingungen für die Nutzung von Solarenergie sind in Deutschland ausgezeichnet. Außerdem bietet die Energiequelle Sonne einen großen Vorteil: Sie wird heute und auch noch in drei Milliarden Jahren scheinen. Alle anderen Ressourcen sind nur begrenzt vorhanden oder nur eingeschränkt nutzbar. Die Verfügbarkeit von Öl kann man, über die nächsten Jahre hinaus, nicht mehr garantieren. Auch die Energiequelle Wind ist nur in bestimmten Regionen effektiv nutzbar. Aber die Sonne scheint überall. Solarstrom kann überall erzeugt werden, ist umweltfreundlich, erzeugt keinen Lärm und ganz wichtig: es birgt kein Risiko. Langfristig ist die Sonne die einzig wirksame und saubere Möglichkeit, die wir weltweit haben. Solarenergie ist die Zukunft, alles andere sind Überbrückungstechnologien, die auslaufen werden. Studien gehen davon aus, dass der Anteil der Solarenergie an der gesamten Energieerzeugung in den nächsten 40-50 Jahren bis zu 70% betragen wird.

Was hat Thüringen mit der Solarenergie zu tun?
Thüringen ist einer der wichtigsten Standorte der Solarindustrie in Deutschland. In den drei mitteldeutschen Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind 80 Prozent aller deutscher Unternehmen, die auf dem Gebiet Solarstrom tätig sind, konzentriert. Und gerade die in Erfurt und Umgebung angesiedelten Firmen gehören zu den weltweit größten der Branche. Insgesamt gibt es hier in der Region ein sehr hohes technologisches Potenzial. 

Der Solarstrom scheint nur Vorteile zu bieten. Trotzdem sind wir von einer flächendeckenden Anwendung noch weit entfernt. Was hat das für Gründe?
Bisher sind die Kosten noch relativ hoch. Das wollen wir durch SolarInput und den Spitzencluster Solarvalley Mitteldeutschland ändern. In spätestens fünf Jahren sollen die Kosten für den Solarstrom den normalen Preisen bei den Stadtwerken entsprechen. Weiteres Problem ist der geringe Kenntnisstand um die Thematik. Jeder sollte wissen, dass er „eine Sparbüchse auf dem Dach“ hat. Bei der Anschaffung einer Solaranlage bekommt man zudem eine 25-Jahres Garantie. Diese verspricht, dass man auch in vielen Jahren mit seiner Anlage noch mindestens 80 Prozent der ursprünglichen Energiemenge erzeugen wird. Ich kenne kein anderes Industrieprodukt, auf das man eine solche Garantie bekommt. Das zeigt, dass wir uns keineswegs in einem Versuchsstadium bewegen, sondern qualitativ hochwertige Technologien liefern.

Könnten Sie sich eine Zusammenarbeit oder Unterstützung des Projektes „Stadionumbau“ vorstellen?
Ich finde die Kombination aus Sport und Solarenergie eine sehr gute Idee. Ein Stadion mit einem Solardach könnte zu einem neuen Symbol werden, das zeigt, was die Region wirtschaftlich und technologisch alles leistet. Wie so etwas aussehen kann, sieht man bereits in anderen Stadien in Deutschland, die einen ähnlichen Ansatz bereits umgesetzt haben und damit ein sehr harmonisches und nachhaltiges Gesamtkonzept geschaffen haben. Es wäre eine sehr gute Sache, wenn wir so etwas in Erfurt auch auf die Beine stellen könnten. Natürlich sollte man sich etwas Neues einfallen lassen und keinen Nachbau betreiben.

Was würde ein Solardach den Beteiligten bringen?
Für die Solarindustrie ist Thüringen als Absatzmarkt zwar noch relativ klein, aber es ist wichtig, wenn in der gleichen Region, in der produziert wird, veranschaulicht werden kann, was die Solarenergie leistet. Fußball, als die populärste deutsche Sportart, ist da eine sehr schöne Möglichkeit, um das zu demonstrieren.
Insbesondere für die Stadt hat dies einen hohen Stellenwert. Sie könnte damit ein Zeichen setzen, sowohl ökonomisch, technologisch als auch klimatechnisch. Als freundliches und positives Thema könnte man das „Grüne Image“ von Erfurt stärken, das traditionell für eine ausgeprägte Stadtnatur mit vielen Pflanzen und Landschaftsgärten steht. Die Verbindung und Ergänzung in Richtung Natur und Gartenbau ist mit dem Solarstrom gut vorstellbar, zum Beispiel als „Solarnatur Erfurt“. Aber auch wirtschaftlich strahlt eine solche Maßnahme über die Landesgrenze hinweg. Ein Solardach würde für die hier beheimatete Hochtechnologie stehen und gleichzeitig ästhetisch das neue Stadion aufwerten. Die Leute, die das Stadion besuchen, können dann sehen und fühlen, was in Thüringen alles läuft. Das stärkt die regionale Identität.

Wie schätzen Sie die Möglichkeiten der Finanzierung eines Solardachs ein?
Ein Solardach kostet in der Anschaffung erstmal mehr, aber letztlich kann sich die Stadt über die Jahre aus den Erträgen zur Stromeinspeisung gut refinanzieren und zudem noch eine beachtliche Rendite erzielen. Bei keiner konventionellen Energienutzungsform ist das möglich. Wenn man Öl verbrennt, bekommt man gar nichts und man trägt zur Umweltverschmutzung bei. Mit Solarstrom auf dem Dach des Stadions haben Stadt, Verein und jeder einzelne Bürger etwas davon.

Wo sehen Sie Probleme?
Wenn man dieses Stadion mit Solardach bauen will, dann steht die Frage der finanziellen Realisierung zur Debatte. Inwiefern sich das gestaltet, ist für mich noch nicht absehbar. Hier sind sicher weitere Gespräche erforderlich.
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